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KURZPROSA zum Supermarkt. Sollen die Gänge eher weit oder eher eng? Eher breit oder eher schmal?




                             Ein Text von Klaus Jans (2022 und 2026)


 

 



DIE

DIE SUPERMARKTFRAGE


 

Enge Gänge, weite Gänge (zum Beispiel im "BellyBortz")

 

DIALOG-KURZPROSA

 

A: Also, ich sehe es so: Die Gänge müssen eng. Bei uns im "BellyBortz", da sind sie eng, eng, eng.

B: Aus meiner Sicht müssen die Gänge weit.

A: Wieso denn?

B: Weil ich es will. Ich bin doch Kunde, also König, also King, also oberster Entscheider.

A: Hast du noch mehr Wünsche anzumelden? Heißt du jetzt Trump?

B: Nein, nein, nein. – Also, es darf nicht diese U-Abteilungen geben, wo man gezwungen wird, mit dem Wagen ein U zu fahren. Eng, und dann noch ein U, also eigentlich ist es ja ein rechteckiges U. Ein |_|. Das soll man abfahren. Mit dem Einkaufsdings.
 
A: Die U-Sache ist eine Teilfrage zum ganzen Supermarkt-Denken. Du musst so einen Markt "denken". Es geht bei allem immer um eines, nämlich ... den Kunden ... a) verlangsamen oder b) beschleunigen. Wir können die doch nicht 100 Meter geradeausfahren lassen, so einfach darf es nicht sein. Unser Supermarkt tickt da anders. Die Kunden müssen "gebrochen" werden. Es darf keine zu einfache Schiebstrecke geben.


B: Dann stoppt ihr die Leute in den U-Turns? Samt Einkaufswagen? Wegen der Enge? Also: mit der Enge, durch die Enge?

A: Aber ja. Wir wissen, dass der Kaffee in so einen U-Turn gehört, denn den wollen viele haben. In die Us müssen immer auch Sachen rein, die viele haben wollen. Alles durchdachte Absicht.

B: Aber ich seh dann nix mehr. Will ich Marmelade, stehe ich dann aber im Kaffee-U ... dann sehe ich nichts mehr. Dann fühle ich mich wie im Irrgarten.

A: Junge Leute schildern uns das aber anders. Dabei sind die kleiner als du. Wir hatten gestern die Grundschule hier. Kleine Menschen, aber gute Käufermenschen, trotz wenig Geld.

B: Kaufen die denn Kaffee ... und wollen dann zur Marmelade? Grundschüler?

A: Weiß ich nicht. Süß, Eis, Pizza, Energiedrinks, da sind die Schüler stark, gerade die höheren Klassen. 12 Jahre aufwärts. Die suchen dann auch noch nach Alkohol.

B: Aha.

A: Ja, so ist das nun mal. Wir wissen alles von euch Kunden.

B: Ich will beim Einkaufen Platz und Freiheit. Dann kann ich mich auch mal runterbeugen und die Sachen genau angucken. Kaufen muss in einer gewissen Ruhe geschehen.

A: Aber diese Leute blockieren doch alles – die wollen wir nicht. Blockierer? Bloß nicht! Wir brauchen in unserer Filiale einen hohen Durchlauf an Kunden, damit nachher auch mehr in der Kasse ist.

B: Und dazu macht ihr was?
 
A: Wir machen die Gänge eng, dann können die Kunden nicht lange gucken, sondern die müssen schnell zugreifen, um der ganzen Enge zu entfliehen. Wer schnell ist, kommt nicht so bald in Bredouille.

B: Aber das ist ja schrecklich. Dann denke ich dran, gar nicht mehr in den Supermarkt zu gehen. Zumindest nicht in eure Filiale. Rüdiger, so geht es doch nicht!

A: Das bist du doch selber schuld. Wir sind doch kein Pausenraum! Solche Leute wie dich können wir gar nicht gebrauchen. Die Bücker und Blockierer. Nachher hast du eine Stunde geguckt, kaufst aber nur einen (einzigen, schnöden) Liter Milch. Was soll das?

B: Aber ihr: Wenn die Kunden nur hecheln, in Eile, von euch gemachter Eile, im Laden, weißt du, was dann geschieht?

A: Nein, weiß ich nicht, was denn?

B: Hechelnde Kunden, die im Supermarkt in einem "Stau" stehen, und solche, die sich von hinten nach vorne gedrückt fühlen, tiefenpsychologisch, die halten gar nicht mehr inne. Die nehmen nur das Wichtigste, hopp, hopp, das Unwichtige lassen die dann weg. Denn sie wollen und sollen eiligst zur Kasse. Also holen sie weniger Produkte. Rüdiger, schon mal so überlegt? Schon mal so nachgedacht? Über den "Erfolg" eurer durch enge Gänge geschaffenen Hetze? Weniger Umsatz, am Ende.

A: Na, wenn schon, Hauptsache es rechnet sich. Außerdem haben wir recht oft diese Us in der Fahrstraßenführung, da staut es sich doppelt. Beim Stau haben die Leute dann auch Zeit, zu greifen. Stau kann dann auch wiederum gut sein, im Supermarkt. Denn ein Supermarkt ist super, vergiss das nicht.

B: Ach so, ihr hofft, dass es nicht nur schnell geht, sondern zugleich hofft ihr auf Staus. Welche Logik?!

A: Jeder macht das, was er für richtig hält. Wir haben Anschluss an die beste Supermarktforschung, die es gibt. Das "Institut Kröhler-Billingmaus London-New York-Kärsingen am Spreiz" arbeitet für uns. Da sind doch alle Wege durchleuchtet worden, analysiert worden. Keiner kennt die Kunden so gut – wie wir.

B: Ich sage dir aber: Wenn es eng ist, will ich nichts greifen. Ich kann ja gar nicht auf die Produkte schauen. Wenn ich alleine Waren im Bereich Gummibären und Süß nehme, da gibt es etliche Tüten, die man alle haben wollen wollte. Aber ich muss mir doch den Inhalt angucken, zum Glück sind die Plastiktüten ja an vielen Stellen zu 100 % durchsichtig, dass man die Leckereien auch zuvor sehen kann.

A: Kannst du bei engen Gängen aber auch. Gucken, Inhalt begucken.

B: Nicht aber, wenn es weit unten ist. Außerdem brauche ich Ruhe und Gelassenheit. Wenn um mich herum Druck und Unruhe ist, mich seitlich schon jemand anstößt, der mir entgegenkommt, wegen der Enge. Da vergeht mir doch alles!

A: Du bist eben ein Weichei. Wir leben in modernen Zeiten, Modern Times, Charly Chaplin, diese bekannte Fließbandszene. Also wirklich. So leben wir nun.

B. Aber das sollte doch Kritik am Fließband sein. Lachen ja, okay, aber es war Kritik.

A: Wir müssen jedenfalls schnell-schnell machen, sonst kommen wir nicht weiter. Ich stehe für Umsatz, als Filialleiter. Du stehst für gar nix, als Kunde. Es sei denn, du bringst Geld, also Umsatz, dann bist du unser Goldesel. Du bist der Gold-Blödi-Bring-uns-Kunde, Marko.
 
B: Und die wollt ihr nicht gut behandeln? Die armen Blödis wie mich? Goldesel-Blödis? (Und mein Name Marko hat nichts damit zu tun! So hieß schon mein Groß-Dad.)

A: Wir haben immerhin geheizt. Außerdem haben wir vorne die Zettelwand. Das ist doch Service! Super Service!

B: Ich sehe deine beschränkte Sicht auf die Welt. Gar nicht vorstellbar, dass wir beide mal in derselben Jugendmannschaft Fußball gespielt haben. FC Kirre Beine Megersjein. Lassen wir es einfach.

A: Eben, lassen wir es einfach. Die Gänge müssen eher eng, und so sind sie auch.

B: Die Gänge müssen eher weit, und das bei weniger Produkten, ja, ja.

A: Du nimmst es mir doch aus dem Mund: Wenn wir die Regale weiter stellen, haben wir nicht mehr diese Langweiler und Langsamen, morgens dann 100 Rentner, die uns alles mit ihrer Langweile und Trägheit zustellen. Einkaufswagen um Einkaufswagen, die Alten stellen alles zu. Fies! Wir hätten dann ja auch weniger Produkte, weniger zum Wegshoppen, weil breitere Straßen im Supermarkt "BellyBortz" weniger Regalraum bedeuten. Deshalb. In jedem Supermarkt im Übrigen.

B: Meine These ist, dass die Kunden mehr kaufen, wenn sie mehr Platz haben, auch wenn es weniger Produkte gibt.

A: Spinner!

B: Spinnen würde man nicht verkaufen. Dazu reicht der Platz nicht. Es stünden auch nicht ewig solche Sonder"regale" im Weg, die "Regale" aus Karton, wo dann irgendein Sonderangebot noch extra (störend) vor die Regale gestellt wurde. Das brauchen wir alles nicht! Wir brauchen Freiheit! Freie Gänge! Platz! Space! Raum! Freiheit! (Weihnachten sind die Zusatz-Stell-Behinderungen ja superextra exorbitant.)

A: Jetzt kommst du mit Volk ohne Raum. Bist du ein Rechter neuerdings? – Da wird man ganz schnell zum Rechtsextremen. Nix Platz, nix Raum, also aggressiv werden. Willst du das? Volk ohne Raum, das schwingt auch immer bei Putin mit. Xi. Trump mit seinem Iran-Murks. Expansion ist dann ja alles. Bei den Hyper-Bossis der Welt. Die kennen nur Erobern oder Übernehmen.

B: Aber ich habe doch nicht gesagt, dass dein Supermarkt jetzt anbauen muss. Nur anders stellen, dann haben alle mehr Freiraum.

A: Mir gibt auch keiner Freiraum. Wenn die Zahlen nicht stimmen, kommt schon am nächsten Tag der Anruf aus der Bezirkszentrale. Da ist nichts frei, sondern sehr oft Ärger.

B: Köln? Koblenz? Deine Bezirksgurus? Eher Männer oder eher Frauen?

A: Das darf ich dir nicht sagen. So, geh mal aus dem Weg. Ich muss jetzt an den Weinbrand ran, der ist Sonderangebot diese Woche. (Mensch, ist das eng hier.)


B: Ach so, ich wollte mir dir eigentlich auch diskutieren, warum ihr nur 6 schmale, kleine Einkaufs-Wagen habt, die sehr angenehm sind, bei der Enge ... und warum ihr aber satte 177 große, klobige Einkaufswagen habt, die der Horror sind ... bei der Enge. Wahrscheinlich denkt ihr: Großer Wagen, den kaufen die Blödis uns voll. Ist aber ebenso falsch gedacht wie die Enge-Frage bezüglich der Gänge. Rüdiger, hörst du denn noch zu? Rüdiger ?!?!?!? Lass doch mal den Weinbrand sein. Es geht um die Enge der Gänge ...



___

Klausens, 7-4-2022, Idee, und erste Teile aufgeschrieben, z. B. 14:00 Uhr MESZ bis 14:10 Uhr MESZ und 14:33 Uhr MESZ bis 14:43 Uhr MESZ. Königswinter. Und bearbeitet am 5-11-2026, von 16:42 bis 16:54 Uhr MEWZ, Königswinter. Sowie 17:00 Uhr MEWZ bis 17:05 MEWZ. Und 6-11-2026 von 9:57 Uhr MEWZ bis 10:02 Uhr MEWZ. Und am 6-11-2026 von 15:20 bis 15:30 Uhr MEWZ und 16:41 Uhr MEWZ.



EIN TEXT VON KLAUS JANS, am 6.11.2026 erstmals ins Netz gestellt.









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